• Russland walzt Georgien nieder

    In der Nacht zum Freitag, dem 08.08. ist Georgien militärisch gegen seinen abtrünnigen Teil Südossetien vorgegangen. Einen Tag danach hat Russland eine Offensive gegen Georgien gestartet. Die russische Vorgehensweise bei militärischen Konflikten ist dabei immer die gleiche. Man macht alles dem Erdboden gleich. Südossetien liefert den Russen eine wundervolle Steilvorlage, um auch gegen Georgiens Staatsgebiet und Infrastruktur vorzugehen und das Land weiter zu schwächen, denn durch Georgien verläuft eine Ölpipeline gen Westen, und das ausserhalb des russischen Einflusses. Für die USA und den Rest der westlichen Welt ist dies eine der wenigen Möglichkeiten, die russischen Ausbeuterpreise u.a. für Ölressourcen zu umgehen, was natuerlich ein Dorn im Auge der Russen sein dürfte.

    Zudem wird Russland ein Interesse daran haben, die abtrünnigen Provinzen von Georgien zu trennen, denn dies macht Georgien immer schwächer. Seit sich Sudossetien und Abchasien von Georgien unabhängig erklärt haben, ist bereits einige Zeit ins Land gezogen. Genug, damit Russland in diesen Landstrichen eifrig russische Pässe verteilen konnte, wirtschaftliche Abhängigkeit schaffte und so die Regionen quasi-annektierte.

    Ein weiterer unangenehmer Aspekt am Rande ist, dass sich der UN Sicherheitsrat nicht einmal auf einen Konsens für eine gemeinsame Erklärung zum Konflikt einigen konnte, da die USA und Russland sich wieder gegenseitig behindern. Russland schafft es immer wieder, Begründungen in grossartiger Weise so zu verbiegen, dass sie der eigenen Sache dienen. Dabei ist das Land Meister darin, die eigenen Interessen dabei so plump diplomatisch zu verpacken, dass selbst der Normalbürger ohne Hintergrundwissen den Braten zu riechen vermag. Es heisst: „Ein Waffenstillstand sei keine Lösung, da sich noch georgische Truppen in Südossietien aufhalten“. Wenn man nur einen Blick auf die unterschiedliche Armeestärken der beiden Länder wirft, dann dürfte dies den letzten Zweifel ausräumen: der Angriff auf Georgien ist nur eine Fingerübung für die Russen, die man gerne zeitlich ausdehnt. Russland verfügt über 50-100 mal mehr Truppen und Waffen, als Georgien. Damit ist im Grunde auch belegt, wer wohl primär für die umfangreichen Zerstörungen in dem Kampfgebiet und die hohen zivilen Verluste verantwortlich gemacht werden dürfte. Die UN beweist zudem wieder einmal ihre Unfähigkeit, in Konflikten zu reagieren, die irgendwie das Interesse der ständigen Mitglieder berühren – genau wie in den Zeiten des Kalten Krieges.

    Die Begründung von Russland, man sei auf einer friedenssichernden Mission und der vorgebrachte russische Standpunkt, dass Landesteile sich nach Belieben vom Mutterland abspalten können sollten, klingt völlig lächerlich, angesichts der Tatsache, dass Russland selbst Tschetschenien niedergebombt hat, als dieses Unabhängigkeit einforderte. Damals begründete man dies mit dem Kampf gegen Terroristen und – welch Zufall – zahlreiche Verbrechen, die aus Russland internationales Aufsehen erregten, wurden Tschetschenen in die Schuhe geschoben.

    Ganz unabhängig davon, welche Schuld Georgien wegen des Angriffs auf eine seiner Provinzen trifft, auch wenn Sie wohl nicht mit einem Schlag der Russen gerecht haben werden:

    Es ist ein Trauerspiel, dass Russland über so viele Bodenressourcen verfügt und damit einen so rasanten wirtschaftlichen Aufschwung begründen konnte. Dieser Aufschwung ging an weiten Teilen der Bevölkerung vorbei und half bei der Etablierung einer unheilvollen Oligarchie. Russlands Aufschwung hat die demokratische Entwicklung Russlands schlicht überholt und festigt nun Putin, den man eigentlich nur als Diktator beschreiben kann.

    Bei Gesprächen mit russischen Freunden fand ich heraus: Viele sind stolz auf Putin, weil der Russlands Nationalstolz beschwört. Die Russen wissen halt, dass es viel schlimmer sein könnte, z.B. wie zu Jelzins Zeiten. Man liebt das erstarkte Russland und Putin ist die Führungsfigur, egal, welche Marionette er gerade als Präsidenten aufgestellt hat.

    Das schlimmste für uns Deutsche jedoch ist: Wir brauchen Russland. Deutschland kann ohne eine langfristige strategische Partnerschaft mit den starken und erstarkenden Mächten der Welt nicht bestehen, denn unser gesellschaftliches Wohlergehen und unser Wohlstand beruht seit jeher sehr wesentlich auf wirtschaftlichen Beziehungen zu ausländischen Staaten und unseren Export und zunehmend auch den Import strategischer Ressourcen. Politisch gesehen wäre es für Deutschland dumm, sich gegen Russlands Interessen zu stellen – und Russland ist nachtragend.

    ( http://www.welt.de/politik/arti2305931/Russland_greift_Georgien_an_zwei_Fronten_an.html )

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One Responseso far.

  1. tomto sagt:

    Die Sorge um die Pipeline durch Georgien ist nicht von der Hand zu weisen:

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,571732,00.html

    Dennoch finde ich, dass Georgiens Präsident eine grössere Schuld hat, als im Artikel dargestellt.

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